2017 Sujet: Petry Heil

Wäre da nicht dieser kleine Schreibfehler, man würde diesen Sujetnamen mit dem Fisch des Jahres 2017, dem „Bachneunauge“ oder dem Fischsterben in Eschenbach LU in Verbindung bringen. Aber nein, hier geht es darum, welcher Fischer die beste Stelle gefunden hat, um den grössten Hecht zu fangen. Während der eine am Uferrand steht, fischt der andere hüfttief im reissenden Wasser. Einigen Anglern steht das Wasser bis zum Hals, während andere, rechts von ihnen, im braunen Schlamm stehend, so langsam festen Boden unter ihren Stiefeln spüren.
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Sie fischen nicht etwa für ein gutes Essen, nein, sie befreien die Gewässer vom unbeliebten „Nordafrikanischen Schwarzschupper“ und den „Afghanischen Stören“ weil sie hierzulande Fremdlinge sind und eine unerlaubte Verfälschung der heimischen Gewässerfauna darstellen.

Man stellt, speziell in deutschen Gewässern, eine Zunahme fremdenfeindlicher, rassistischer Gewalt fest, welche beängstigende Züge annimmt. Medien zufolge soll kürzlich ein heimischer Barsch in der Weser eine „Eritreischen Gelbweste“ zum Selbstmord getrieben haben. Zudem sei einer „Schwarzmeergrundel“ von einer „Brasse“ die Flosse weggebissen worden.

Doch die Problematik in den Gewässern hat sich schon lange ans Ufer verlagert, wo Fischer täglich aneinander geraten. Bereits haben sich in Anglerkreisen, erste Bürgerwehren gebildet, die ihre Gewässer schützen und den Fremdlingen den Garaus machen wollen. Rassistische übergriffe auf wehrlose Angler und Brandanschläge auf Fischerhütten fremder Fischer sind an der Tagesordnung.

Einer dieser Bürgerwehren hat sich zum Ziel gesetzt, Deutschland von Fremdfischern zu befreien und 2013 eine eigene Partei gegründet, die AfD (Alternative für Deutschland). Deren Parole heisst „stoppt die Fremdlinge, deutsche Gewässer gehören den einheimischen Fischen“! Die AfD hat sich in den letzten Jahren zur Partei mit dem grössten Wachstum in Deutschland gemausert und erfreut sich an stetigem Zuwachs Gleichgesinnter.

Vorsitzende der AfD ist Frauke Petry (hier die Auflösung des oben erwähnten Schreibfehlers), eine optisch nicht unsympathische, dynamische junge Frau mit Fluss(b)arschallüren.

Der beängstigende Vormarsch der Rechtspopulisten beobachtet man heutzutage in vielen Gewässern dieser Welt. Da wären z.B. in Frankreich Marine le Pen, in Holland Geert Wilders, in den USA Donald Trump, in Ungarn Victor Orban, in Polen Jaroslaw Kaczynski, in der Türkei Erdogan usw. Sie alle fischen am rechten Ufer und spüren durch die Fremdfischproblematik Rückenwind.

Doch was bewegt all diese Fischschwärme diesen beschwerlichen Weg auf sich zu nehmen? In Syriens Gewässern tobt seit über 4 Jahren ein grausamer Bürgerkrieg, in Ländern wie dem Irak oder Afghanistan kriselt es schon seit langem und die Gewässer sind verseucht. Zudem sind derzeit die Grenzen in Europa offen und die Fischschwärme werden bei den Schleusen durchgewunken. Die Aussicht auf eine Zukunft in einem friedlichen und stabilen europäischen Stausee, lässt so manchen die Gefahren der strapaziösen Reise ignorieren.

Doch in hiesigen Gewässern warten bereits Raubfische am rechten Ufer darauf, den Eindringlingen das Wasser abzuschöpfen.

Bei der Migrationsproblematik geht es natürlich zuvorderst um Menschlichkeit, Mitgefühl und den Wunsch nach einerfriedlichen und gerechten Welt. Doch es geht auch um ängste, die bei der heimischen Bevölkerung entstehen, wenn es um die eigene Zukunft geht. Viele Bürger fühlen sich vernachlässigt, nicht verstanden und in Migrationsfragen übergangen. Dies macht anfällig auf rechtspopulistische Propaganda und intolerant gegenüber andersdenkenden und Fremdlingen.

Doch mit billiger Polemik löst man keine Probleme, man schafft nur neue! Und wir alle haben die Verantwortung darauf zu achten, dass gewisse Dinge nicht mehr passieren!

Durch die aktuelle Migrationsströme und der damit verbundenen Durchmischung der Kulturen und Religionen, wird uns diese Problematik noch längere Zeit begleiten. Eine Lösung ist nicht in Sicht und lässt so manchen Politiker im Trüben fischen.

In diesem Sinne - Petry Heil!

Bilder

Rädäbäng

D Frauke Petry fischt im Driebe
und duet Volksufhetzig iebe
fremdi Fetzel dien ere gruse
solle doch us Dytschland use
s Volgg sait ihre, Petry Dangg
mir finde die Entwigglig grangg
und d Haltig macht ys Angscht und Bang
denn basset uff, s goht gar nim lang
denn ghersch vo Rostock bis no Weil
iberall nur: Petry Heil!

Zeedel

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