BASLER MITTWOCH-GESELLSCHAFT

Zum Sujet Fasnacht 2012

Faschte Fir E Fride

In Zeiten von Rezession und Arbeitslosigkeit gibt es Menschen, denen es weitaus schlechter geht als uns. Ihr Leid ist uns jeweils eine Woche Medienpräsenz wert, begleitet von Bildern ausgemergelter und schreiender Kinder, umschwärmt von Fliegen. Den einen bewegt das Leid zu einer Spende, den anderen nicht. Zu weit weg und irgendwie fiktiv. Ich spreche von den humanitären Katastrophen in Afrika, welche immer wieder ganze Völkerstämme zur Wanderung zwingen und der Tod ein steter Begleiter ist. Der Grund? Hunger, Krieg, oder beides zusammen.

Kein angenehmes Thema, aber Grund genug für die Sujetkommission dies zu unserem Sujet 2012 zu wählen. Ein Sujet muss nicht immer humorvoll und schön sein. Ein Sujet soll kritisch, bissig und frech sein. Auch etwas brachial und provokant. Aufrütteln, ohne aber zu verletzen oder zu desavouieren.

So laufen wir die „drey scheenschte Dääg“ also als hungernde und verfolgte subsaharianische Melanoafrikaner. Wir hätten das Bild mit ausgehungerten Kindern, Figuren wie Hungertürme (mit unseren Wohlstandskörpern!), Kindersoldaten, u.ä. zeichnen können. Erscheint uns aber zu plump, nur provozierend und den Opfern nicht gerecht. Wir würden das Leid zur Schau stellen. Wollen wir aber nicht. Aber darauf aufmerksam machen.

Bedienen wir uns jedoch der Ironie verliert das Sujet an Brutalität, nicht aber an Inhalt. Metaphern, seit langem ein liebgewonnenes Instrument der Sujetkommission, bilden die Brücke und vermitteln dem Betrachter das Gefühl, die eigentliche Botschaft zu spüren. Auch wenn sie nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist.

Die Ironie in unserem Fall ist also, dass wir aus Protest auf das Essen verzichten und marschieren. Wir sehnen uns eigentlich friedlicheren Zeiten entgegen, ohne Hunger und Krieg. Die Armbinde mit gekreuztem Messer und Gabel, welche an das Logo des Roten Kreuzes anlehnt, ist das verbindende Element der Fastenden und Zeichen unserer Hilfsbedürftigkeit. Die etwas ungewöhnliche, aber bewusst ausgewählte Larve, vermittelt die Tragik und den kriegerischen Hintergrund der Szenerie. Ausserdem wirkt sie morbid. Die Missionare stellen weder die katholische Kirche dar, noch kritisieren sie das Missionieren des schwarzen Kontinents. Nein, sie sind das Symbol des Fastens. Die farbigen Umhänge dienen als Kontrast zum sonst düsteren Bild und geben die farbenfrohe Kultur dieser Völkerstämme wieder. Der Vortrab (Flüchtlingslager) und Wagen (Missionshaus) ergänzen das Bild. Zu guter Letzt, ohne auf deren Inhalt einzugehen und somit ein letztes Geheimnis bis zum Morgenstreich zu bewahren, runden der „Zeedel“ und die Laterne den Zug ab und verkünden unsere Botschaft: Mir „Faschte Fir E Fride“.

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